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    Alles verloren

    By William Butler Yeats | August 1, 2008

    Sanfte Wälder. Grüne Wiesen. Es zieht alles an meinen Augen vorbei, wie ein Film. Ein wunderschöner Film. Die Blumen blühen. Der randvolle Picknickkorb strotzt nur so von Leckereien. Ich sehe Sandwiches, welche Sie gemacht hat. Genauso, wie ich sie mag. Frischen Fruchtsaft. Pfirsiche, Äpfel und Nektarinen. Daneben die plüschblaue Decke, ausgebreitet neben der großen Eiche. Und darauf Sie und ich. Ich halte sie in meinem Arm. Sie hat den wunderschönsten Kirschenmund, den sich ein Geschöpf vorstellen kann. Die Beine sind wohlgeformt. Ich streiche kurz darüber, und die glatte Haut fühlt sich so schön weich an. Ich komme mir vor, als wäre ich in einem riesigen Raum, voll mit lauter Bettlacken und alle würden durch die Luft fliegen und mir um das Gesicht herum streichen. Daneben ihr jugendliches, unschuldiges Lächeln. Kokett, und zugleich doch die reinste Seele auf der Welt. Keine schlechten Gedanken. Ich vergesse für einen Augenblick, dass ich auf dieser Welt bin. Die Sonne geht gerade unter. Eine Brise Wind weht uns durchs Haar. Sie lacht auf. Nimmt einen Pfirsich und gibt mir davon einen Bissen. Im Hintergrund ertönt der Frühling von Verdis 4 Jahreszeiten. Ein Filmriss. Die Rolle dreht sich weiter, doch das Bild ist dunkel. Ich finde mich in meinem Zimmer wieder. Wo es dunkel und trostlos ist. Kalt. Düstere Industrial Musik führt mich zurück zur Realität. Einer Realität, die kaum entfernter von meiner Traumwelt sein könnte. Ja, die Schönheit bleibt ihr. Der kokette, jugendliche Blick. Die Oberfläche bleibt.

    Wir haben zu sehr darauf geachtet, wie die Oberfläche unserer Körper aussieht, und haben unser Inneres vernachlässigt. Innen drinnen ist es dunkel. Wir lassen keine Gefühle zu, weil sie uns schmerzen. Durch Sarkasmus und frechen Witz überspielen wir unsere Unsicherheit. Unsere größte Angst ist die Angst, dass jemand unser Inneres Ich entdeckt. Deswegen versuchen wir alles so oberflächlich, wie möglich zu halten, damit unser Inneres Ich vergraben bleibt. Es gehört nur uns. Denn trotz all der Angst und trotz all der aufgefüllten Leere in unserem Leben sind wir doch nur eines, und zwar Egoisten.

    Wir wollen alles, und doch nichts. Niemand weiß, wann er genug hat.

     

    Und stellt euch doch einmal selbst die Frage: Wenn ein Geist zu euch kommt, und euch eine Millionen Euro verspricht, wenn er dafür irgendjemanden in Afrika umbringen darf, ohne dass ihr es mit ansehen müsst, würde doch keiner von euch zögern und das Geld nehmen. Und wer jetzt sagt, dass er nicht so handeln würde, dann belügt er nur sich selbst. Das ist es nämlich, was wir alle tagtäglich machen. Wir belügen uns selbst. Wir bekommen zwar keine Millionen Euro, aber jeder von uns lebt in Überfülle und Luxus und für diesen Luxus geht es Menschen in anderen Ländern schlecht.

    Aus den Augen, aus dem Sinn. Wir sehen es nicht. Es ist uns egal, auch wenn wir es wissen, denn niemand will auf sein neuestes Handy verzichten, oder auf seine Markenjeans. Und jeder braucht 10 Paar Schuhe, denn da der Mensch seine Gefühle verdrängt hat, muss er sein inhaltsloses Leben mit irgendetwas auffüllen. Wir können nicht über unsere tiefsten Gedanken reden, und deswegen haben wir so etwas wie Fernsehen erfunden, damit wir ein Thema haben, über das wir reden können, ohne das es uns betrifft.

     

    Schaut euch doch mal selbst in den Spiegel, wenn ihr könnt. Und wenn ihr Glück habt, seht ihr da noch etwas, was einem Menschen ähnelt, aber die meisten werden gar nichts sehen, oder eine hässliche, kalte, leere Gestalt, die schon längst aufgehört hat zu leben.

    Topics: Gedanken |

    One Response to “Alles verloren”

    1. Der Spangenmensch Says:
      August 2nd, 2008 at 17:04

      Liebe, sei sie noch so einseitig (und deswegen unglücklich) hat immer auch etwas positives. Es zeigt, dass du noch am Leben bist.
      Kopf hoch.

    Comments